Tiergestützte Therapie

Zur Zeit mache ich eine 3-jährige Ausbildung zum Ergotherapeut. In diesem Beruf gibt es sehr viele verschiedene Richtungen in denen man später arbeiten kann, z.B. in der Pädiatrie, Geriatrie, Neurologie, Psychiatrie usw. Da ich mich schon seit einiger Zeit für die Therapie mit Tieren interessiere, beschäftige ich mich jetzt verstärkt damit. So versuche ich gerade die Therapie mit Hunden bekannter zu machen, auch in der Ergotherapie-Schule ist diese Art der Therapie noch eher unbekannt. Ich habe bereits in Psychologie ein Referat zum Thema Tiergestützte Therapie und deren Wirkung auf die menschliche Psyche gehalten, der Schwerpunkt hierbei lag bei der Tiergestützten Therapie mit Hunden, was auf großes Interesse traf. Somit konnte ich Balou mit in den Unterricht integrieren. (Balou ist kein ausgebildeter Therapiehund, bringt aber alle Voraussetzungen dafür mit, er ist sehr freundlich, lässt sich gerne streicheln, nimmt Leckerlis, ist in jeder Situation sicher und wenn seine Arbeit zu Ende ist legt er sich für die restliche Zeit auf seinen Platz und ist ruhig, natürlich wird er geimpft, entwurmt und durch Spot-on-Präparate vor Milben, Flöhen und Zecken geschützt).
So habe ich ihn auch im Geriatrie-Unterricht dabei gehabt, wo ich eine Therapieeinheit plante für eine Gruppe von Bewohnern eines Altenheimes. Dabei ging es um „Gedächtnistraining“ Balou war dabei und durfte von den Klienten (in diesem Fall Mitschüler) gestreichelt- und mit Leckerlis gefüttert werden. Des weiteren wurde ein Summenrätsel gemacht, ein Gedicht vorgelesen und eine Geschichte erfunden, alles zum Thema Tiere.
Balou war bereits mit mir zu Besuch in einem Altenheim und auf einer Querschnittstation der BGU. Sehr interessant war auch eine Therapiestunde in einer Geriatrischen-Einrichtung, wo ich mein Vorpraktikum machte. Die Gruppe bestand aus dementen Klienten, eine Schildkröte war Teil der Stunde und durfte von den Bewohnern angefasst werden. Trotz des eher außergewöhnlichen Tieres entwickelte sich schon nach kurzer Zeit ein Gespräch, bei dem die Klienten von ihren Tieren die sie früher einmal hatten berichteten.

 

Was ist Tiergestützte Therapie überhaupt?
 


Die Tiergestützte Therapie ist wie der Name schon sagt die Therapie mit Tieren. Lange Zeit glaubte man, dass dies unmöglich wäre, aus hygienischen Gründen. Dies hat sich in manchen Köpfen bis heute so festgesetzt, dass es oft große Überzeugungsarbeit kostet, um die Tiergestützte Therapie in Praxen, Kliniken und anderen Einrichtungen überzeugend zu etablieren. Mittlerweile gibt es sie aber schon in Psychiatrien, Altenheimen, Krankenhäusern, Rehabilitationszentren und Praxen.
Es gibt Besuchsdienst mit Hunden, Kleintieren usw. dann gibt es Reittherapie, Lamatherapie, kleine Streichelzoos in Psychiatrien, Kinderkrankenhäusern und Altenheimen. Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten arbeiten heute teilweise mit Tieren.

 

 

 

Definition von Tiergestützter Therapie:

„Unter Tiergestützter Therapie versteht man alle Maßnahmen, bei denen durch den gezielten Einsatz eines Tieres positive Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten von Menschen erzielt werden sollen. Das gilt für körperliche wie für seelische Erkrankungen. Das Therapiepaar Mensch/Tier fungiert hierbei als Einheit. Als therapeutische Elemente werden dabei emotionale Nähe, Wärme und unbedingte Anerkennung durch das Tier angesehen. Zusätzlich werden auch verschiedenste Techniken aus den Bereichen der Kommunikation und Interaktion, der basalen Stimulation und der Lernpsychologie eingesetzt.“

 

Geschichte:

 

Berichte, dass Tiere für therapeutische Zwecke eingesetzt wurden, gibt es bereits aus dem achten Jahrhundert. Quellen aus dem 18. und 19. Jahrhundert berichten von Versuchen einer tiergestützten Therapie im psychiatrischen Bereich.

In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden erste Erfahrungen mit Tieren als Co-Therapeuten auch wissenschaftlich dokumentiert und publiziert. Ein späterer Vorreiter der tiergestützten Therapie, der Kinderpsychologe Boris Levison entdeckte eher zufällig, dass ihm sein Hund eine große Hilfe war. Levison sollte einen Jungen psychologisch betreuen, der schon seit längerer Zeit ohne Erfolg behandelt wurde und der auch auf keine Therapie angesprochen hatte. Zufällig war auch der Hund, ein Retriever, des Psychologen anwesend und begrüßte den Jungen. Das Kind reagierte freudig und freundete sich mit dem Hund an. Über die Beschäftigung mit dem Hund konnte Psychologe Levison Zugang zu dem Kind finden. Es entwickelte sich eine gute Arbeitsbeziehung zwischen den beiden.

Kommunikation und Integration wird gefördert

In den Forschungsarbeiten von Sam und Elisabeth Corson aus den 70er Jahren wird beschrieben, wie der Patient durch nonverbale und taktile Interaktionen eine positive Beziehung zum Tier entwickelt, die er nach und nach auf Personen überträgt.
Die anfänglichen nonverbalen Interaktionen werden nämlich im Laufe der tiergestützten Therapie vom Patienten durch verbale Kommunikation und die Äußerung von Gefühlen verstärkt. Gerade die verbale Kommunikation kann für die Therapie in der Logopädie sehr hilfreich sein. Taktile und emotionale Prozesse werden so immer besser mit kognitiven Prozessen und sozialen Interaktionen abgestimmt. Der Patient erfährt eine fortschreitende Integration seiner eigenen Person im sozialen Austausch mit seiner Umwelt.

In Deutschland gibt es die Tiergestützte Therapie noch nicht so lange, obwohl die Bedeutung dieser Therapie sehr hoch ist, (siehe oben). 1977 wurde in den USA die Delta Society gegründet. Diese Organisation erforscht die Mensch-Tier-Beziehung, um die Ergebnisse therapeutisch zu nutzen. Der Ursprung der tiergestützten Therapie ist in den USA, genauer gesagt in Florida, dort wurde in den 70er Jahren die Delphin-Therapie bekannt, 1980 wurde sie auf den ersten Kongressen dem Publikum vorgestellt. Die Erfolge mit behinderten Menschen war und ist enorm. Heute gibt es viele verschiedene Tierarten, mit denen therapiert wird, so zum Beispiel, Hunde, Katzen, Pferde, Schafe, Kaninchen, Nager, aber auch Lamas und Alpakas.

Tiergestützte Therapie mit Hunden

Hunde werden wie oben bereits erwähnt in vielen Praxen, aber auch in anderen Einrichtungen als Co-Therapeuten eingesetzt. Diese Tiere strahlen Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Hunde verbessern aber auch die Motivation mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Interessant ist auch, was die ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) zum Thema Hund in der Therapie sagt.
In der Sprache der ICF können Hunde als Hilfsmittel in der Zusammenarbeit mit ihrem Menschen die Leistung (Leistung der Teilhabe am Leben) des Kranken stärken. Auch als Heilmittel in der Therapie können Hunde die Leistungsfähigkeit (Fähigkeit zur eigenen, selbstständigen Handlung) verbessern.


Ein Beispiel:
Der Hund als Therapeutikum: Heilmittel Hund

Frau Maier hat mit 59 Jahren einen Schlaganfall erlitten. Ihre rechte Körperhälfte ist gelähmt. Sie ist nicht mehr in der Lage ihren rechten Arm und ihr rechtes Bei zu bewegen. (Körperfunktion) Sie kann also nicht gehen und sich nicht ohne Hilfe fortbewegen. Frau Maier kann sich auch nicht alleine waschen, an- oder ausziehen oder die Toilette benutzen. In vielen Aktivitäten ist sie eingeschränkt. Ihre Teilhabe an unterschiedlichen Lebensbereichen, wie Ausflüge, ins Kino gehen, Shoppen oder soziale Kontakte pflegen/ knüpfen ist somit beeinträchtigt. Wird ein Hund als Hilfsmittel im Heilungsprozess von Funktionen eingesetzt, ist er aktiver Teil der Therapie. Ziel ist die Wiederherstellung oder Verbesserung der Fähigkeit zu einer bestimmten Handlung. In der Physiotherapie wird die Therapie begleitender Hund eingesetzt. Da Frau Maier früher selbst einen Hund hatte, vermindert sich ihre depressive Verstimmung. Sie arbeitet motiviert und engagiert mit. So können die Bewegungseinschränkungen effektiver reduziert und Aktivitäten verbessert werden.



Hilfsmittel Hund

Das Konzept der Teilhabe ist mit Fragen nach dem Zugang zu Lebensbereichen sowie dem selbst bestimmten und gleichberechtigten Leben verknüpft. Die Anwesenheit oder die Aktivitäten eines Hundes können unterstützend wirken und Barrieren abbauen. Der Hund kompensiert die fehlende Fähigkeit des Menschen als „Hilfsmittel“. So kann man unspezifisch eine fehlende Motivation an der Gemeinschaft teilzunehmen durch den Besuch eines Hundes ausgleichen. Beispiel: Frau Maier geht gar nicht mehr aus ihrem Zimmer. Mehr und mehr versinkt sie in Apathie. Durch den Besuch eines Hundes entwickelt sie eine positive Neugierde, denn die Anwesenheit des Tieres gibt ihr mehr emotionale Sicherheit. Sie kommt in den Gemeinschaftsraum und nimmt Kontakt mit anderen Bewohnern auf. Auch die sogenannten „Servicehunde“ gehören in diese Kategorie. Sie helfen spezifisch und individuell, Barrieren zu überwinden, damit Patienten wieder besser am Leben teilnehmen können. Leider bleiben bei Frau Maier Behinderungen bestehen. Sie kann nur mit einem Rollator längere Strecken bewältigen. An der Seite eines behindertengerechten Begleithundes fühlt sie sich sicherer. Der Sozialpartner Hund gibt ihr emotionale Unterstützung, verbessert ihre soziale Kompetenz und Selbstsicherheit und hilft ihr, wieder soziale Kontakte zu knüpfen. Ihr Hund wurde auch für behindertengerechte Dienstleitungen als Beispiel: Gegenstände aufheben, Telefon bringen und Schubladen öffnen, ausgebildet und hilft ihr so, besser allein zu leben. Hier fungiert der Hund als Hilfsmittel, ist jedoch immer noch ein Lebewesen, das Auszeiten braucht, spielen muss und sich austoben möchte. All das darf und muss ein solcher Hund auch regelmäßig dürfen, um seinen Job bewältigen zu können.
Im Sozialgesetzbuch ist das Wort „Hilfsmittel“ wie folgt definiert: Hilfsmittel sollen Behinderungen ausgleichen, die Rehabilitation unterstützen oder Menschen mit bereits vorhandenen gesundheitlichen Risiken vor weiteren Risiken bei der Bewältigung ihres täglichen Lebens schützen. Denkt man daran, dass tiergestützte Therapie in der Zukunft von Krankenkassen bezahlt werden sollte, dann ist eine konkrete formale Bezeichnung und Einordnung wichtig.

Hunden die in der Therapie eingesetzt werden tragen während ihrer Arbeit oft ein Geschirr, dann wissen die Tiere, dass sie jetzt arbeiten sollen, wird es ihnen abgenommen, ist Pause, bzw. spielen und toben angesagt.


Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, kann sich gerne an mich wenden.

 

Balou beim Besuch im Altenheim